[Aufruf] Diese Woche spenden wir!

 

Ich möchte diesen Eintrag mit einer Beichte beginnen: Ich bin keine Heilige, selbst wenn ich mir das manchmal gerne wünsche. Auch ich habe schon weggeguckt, wenn Leute mich um eine Spende gebeten haben oder gezögert und nicht eingegriffen, wenn ich Zivilcourage hätte beweisen sollen. Als ich jünger war, gehörte ich vollkommen in die Wegseh-Schublade – und finde das zurückblickend schrecklich. Seit ein paar Jahren arbeite ich an mir, um diesen menschlichen Makel zu beseitigen. Denn es hat nichts mit Religion, mit gesellschaftlichen Vorstellungen oder der Erziehung zu tun: wir können alle helfen, wenn wir es wollen. Und sei es mit kleinen Geste, mit einem Apfel oder einer 50-Cent-Münze.

Da ich Studentin ohne Einkommen und staatlicher Unterstützung bin, kann ich mich nicht als Luxus-Mädchen bezeichnen. Ich lebe monatlich von einem kleinen Betrag und wäge immer ab, was ich kürzen muss, wenn ich mich entscheide, diesen und jenen Film wirklich zu kaufen oder ins Kino zu gehen. Dann wird eben das nächste Mal beim Lebensmitteleinkauf aufgepasst. Dann gibt es eben keine Getränke in Flaschen, sondern Leitungswasser. Ich bin nicht arm, aber auch nicht reich. Ich kann nicht jammern, aber auch nicht prahlen. Ich bin in einer gesunden Mitte, in der es mir finanziell ganz akzeptabel geht (ich hungere ja nicht), aber ich dennoch jeden Euro respektiere. Zur Zeit ist alles etwas „härter“, weil ich einen dreistelligen (sehr hohen) Betrag an einen Notar zahlen muss  und mein Konto darüber nicht erfreut ist – es aber gezahlt werden muss. Und ich kann nicht verlangen, dass das andere für mich tun. Das ist jetzt mein Problem und das werde ich auch lösen. Aber nachdem ich durch die letzte Zeit, wo ich gearbeitet habe, einiges an schönem Geld verdient habe und mich daher in einer Pufferzone befunden habe, muss ich da wieder raus und wieder ins Leben des erschreckenden schwindenden Kontobetrags.

Daher fühle ich mich zur Zeit in keiner guten und wünschenswerten Lebenssituation (nicht nur von finanzieller Sicht betrachtet), darf aber dabei eines nicht vergessen: andere Menschen würden alles geben, um in meiner Lage zu sein. Das sind Personen, die von einem Tag auf den anderen alles verloren haben. Die jetzt betteln müssen und kein Dach über den Kopf haben. Egal, wie sicher wir uns fühlen: eines Tages könnte es uns auch so ergehen. Wenn wir in das Gesicht eines Obdachlosen blicken, sollten wir uns bewusst sein, dass es jederzeit ein Spiegel sein könnte. Und diese Menschen freuen sich noch richtig, wenn man ihnen Aufmerksamkeit und ein paar Euro gibt. Anders, als das Mädchen, das wöchentlich Taschengeld bekommt und sich bei jedem Stadtbesuch etwas kauft, das sie eigentlich gar nicht braucht. Und eigentlich sind wir auch so: manchmal wollen und kaufen wir etwas, das wir nicht unbedingt brauchen und darauf verzichten können. Denn das Geld wäre woanders besser aufgehoben.

Ich nehme mich als Beispiel: Als ich neulich wieder „Die unendliche Geschichte“ gesehen habe, fiel mir auf, dass ich das Buch von Michael Ende noch nicht gelesen habe, aber jetzt gerne nachholen möchte, weil sie mich sehr reizt. Das Buch kostet bei Amazon rund 10 Euro. Sicherlich hätte ich das Geld entbehren können, aber muss ich? Muss ich dieses Buch unbedingt jetzt besitzen? Kann ich nicht bis Weihnachten warten, wo es mir jemand schenken könnte? Kann ich nicht warten, bis ich wieder gearbeitet und Geld habe, um es mir davon zu leisten? Kann ich nicht bis zum nächsten Flohmarkt warten und gucken, ob ich es dort für kleines Geld erwerben kann? Doch, kann ich.

Heute habe ich mich dazu entschieden, es nicht zu kaufen und das Geld für etwas sehr viel wichtigeres benutzt: ich habe gespendet. Einmal für krebskranke Kinder, einmal für einen Obdachlosen. Letzterer steht immer beim Hintereingang vom Augsburger Karstadt und verkauft dort die RISS-Zeitung für 1,50 Euro. Eine Weile stand ich abseits und sah zu, wie er den Leuten die Hefte entgegenhielt, sie aber alle zur Seite blickten. Als ob uns 1,5o Euro wehtun, wovon immerhin 80 Cent dem Verkäufer zukommen! Schließlich ging ich auf ihm zu, sah ihm direkt in die Augen und meinte mit einem Lächeln, dass ich sehr gerne eine Zeitschrift von ihm kaufen möchte. Ich hätte sie nicht gebraucht. Mir hätte alleine dieser Ausdruck in seinen Augen genügt, als er endlich beachtet worden war. Ich drückte ihm sehr viel mehr Geld in die Hände und wünschte ihm einen schönen Tag.

Ich habe damit heute meine 10 Euro gespendet, die ich eigentlich für „Die unendliche Geschichte“ hatte ausgeben wollen. Und es bringt mich nicht um. Es tut gut. Es ist richtig.

 

Daher ein kleiner Aufruf von mir, dem man nachgehen kann, aber natürlich nicht muss:

Gibt es im Moment etwas, dass Du dir kaufen wolltest? Ein neues Taschenbuch? Einen Film? Verzichte darauf, wenn du es nicht unbedingt brauchst, sondern es nur ein reines Luxusprodukt ist. Aber nimm das Geld – und seien es nur fünf Euro – die Du dafür ausgeben wolltest und spende es. Überweise es. Schmeiß es in eine Sammelbüchse einer Frau, die Spenden auf der Straße zusammensucht. Gib es einem Obdachlosen, der dich um Hilfe bittet. Drück es dem Verkäufer einer Obdachlosen-Zeitschrift in die Hand. Oder schenke es einfach einem Menschen, von dem du weißt, dass er es wirklich brauchen könnte.

Das Leben bedankt sich früher oder später bei jedem Menschen, der seine Maske abnimmt und Menschlichkeit zeigt. Und sei es nur, in dem auch Dir jemand hilft, wenn Du darauf angewiesen bist.

Diese Woche spenden wir.

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