[Fazit] Fish Tank

Und da genügt ein Film und man ist wieder vierzehn, spürt die imaginäre Zahnspange hinter den Lippen kratzen und ist verknallt in einen Schauspieler. Bei mir kann man sagen: endlich mal einer, der noch lebt, weil ich ein Händchen habe, Fan von Herren zu sein, die schon lange das Zeitliche gesegnet haben. Wie man sieht: ich bessere mich. Ob das für meine Umwelt und mich besser ist, ist natürlich fraglich. Egal!
Dank meiner (sehr erwachsenen) Schwärmerei für Michael Fassbender bin ich gerade dabei, alle bisher abgedrehten Filme von ihm anzusehen. Daher ist es gut möglich, dass die nächsten Tage das ein oder andere Fazit zu Filmen mit ihm auftauchen.
Heute: „Fish Tank“.

Mia (Katie Jarvis) hat ein Leben wie ein Fisch in einem Aquarium: Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester lebt sie in einem der heruntergekommenen Viertel Englands, das von Hochhäusern und Arbeitslosigkeit gezeichnet ist. Wohnung an Wohnung, dicht aneinandergepresst, damit Privatsphäre fast zum raren Gut wird. Die Pubertät hat Mia fest im Griff und sie scheint nach ihrem Platz im Leben zu suchen – zwischen vulgären Beleidigungen und geballten Fäusten. Als sie schließlich von der Schule fliegt, fühlt sie sich erst recht von den Menschen in ihrem Umfeld missverstanden und stellt auf stur. Das ändert sich, als ihre Mutter einen neuen Freund hat. Connor (Michael Fassbender) belächelt sie nicht, behandelt sie nicht wie ein kleines Kind, sondern nimmt sie tatsächlich wahr. Er hat ein offenes Ohr, bemüht sich um Harmonie in der kleinen, zerrütteten Familie … und ist es letztendlich selbst, der alles offensichtlich zum Einsturz bringt. Kurzschlusshandlungen gefährden Menschenleben und das Drama nimmt seinen Lauf.

Eines vorweg: wer ein bisschen zartbesaitet ist und Mädchen lieber brav und unschuldig haben will, sollte sich den Film nicht ansehen. Dem würde ich womöglich von dem Großteil der britischen Filme abraten. Natürlich will ich hier nicht alles unter einen Hut stecken – vielleicht habe ich auch nur ein verfluchtes Händchen und gerate immer an ausgerechnet diese Filme. Aber alleine schon dank ihrem britischen Englisch wirken die meisten Mädels ja (auf mich), als könnten sie einen problemlos verhauen.

„Fish Tank“ ist keine einfache Kost. Das sage ich nicht, weil mich Beleidigungen & Co abschrecken (bin ich dank ein paar anderen britischen Filmen gewöhnt), sondern in Bezug auf den weiteren Verlauf der Geschichte. Hier wirklich ins Detail zu gehen, fällt schwer, ohne große mit Spoilern um mich zu werfen. Dass zwischen Connor und Mia noch etwas passiert, kann an dieser Stelle aber verraten werden. Wer danach – vielleicht schockiert – denkt, dass es nicht schlimmer kommen kann, hat sich getäuscht. Denn nichts ist schlimmer als verletzte Gefühle und der Wunsch nach Rache.

Wer keine Angst vor englischen Filmen hat, sollte sich „Fish Tank“ natürlich im Original-Ton ansehen, weil das einfach alles abrundet. Aber dank einer guten Synchronisation kann man auch die deutsche Fassung problemlos verkraften.
Die Bilder von „Fish Tank“ sind wirklich großartig. Jede Einstellung sitzt, jeder Schnitt, jeder Dialog. Authentizität deluxe, manchmal tut es sogar fast weh, weil man weiß, dass das alles genau so exakt in diesem Moment irgendwo in England stattfinden kann.
Dank zwei entscheidenden Wenden geht auch keinesfalls die Spannung flöten – ich habe bis zum Ende mitgefiebert, was nicht nur an Michael Fassbender liegt. Denn schauspielerisch hat jeder einzelne der Akteure gezeigt, dass er sein Werk kann. (Bisher wurde ich bei britischen Filmen in diesem Punkt noch nie enttäuscht.)
Der Soundtrack beschränkt sich zum größten Teil auf Hintergrundgeräusche und tatsächliche Musik, die im Film gespielt wird (wobei v.a. „California Dreaming“ von Bobby Womack beim Zuschauer hängenbleiben wird), wodurch alles noch lebensnaher wirkt und nicht groß inszeniert.
Hervorheben möchte ich von den Schauspielern vor allem Katie Jarvis und Michael Fassbender. Über erstere möchte ich ja alleine schon nichts böses sagen, weil ich fürchte, sie könnte mich zusammenschlagen, wenn sie das liest. Scherz beiseite: man kauft ihr jeden einzelnen Moment des Films ab. Und bei Fassbender erlebt man einen interessanten Wandel des Charakters und als Zuschauer einen inneren, kleinen Konflikt, wie man zu ihm stehen soll. Selbst ich musste im Laufe der Geschichte mit seiner Rolle Connor kämpfen und erleben, dass ich ihm Sympathiepunkte abzog. Liebe macht also doch nicht blind! Ha!

In jedem Fall empfehle ich „Fish Tank“ wärmstens für alle, die eine Vorliebe für Indie-Filme habe. Wer einen pompösen Hollywood-Streifen erwartet, wird enttäuscht. Und zwar richtig. Aber da ich mich selbst vermehrt um „stillere“ Filme tummle, wurde ich bei „Fish Tank“ zufrieden gestellt. Um es in zwei Worten festzuhalten: schockierend, schwierig. Aber lohnenswert. Und am Ende, wenn das Chaos verschwunden ist und Stille zurückkehrt, ist man doch irgendwie wieder am Anfang: bei einem 15jährigen Mädchen, das nach einem Platz im Leben sucht.

9,5 von 10 aufgespießten Fischen

Ich merke gerade, dass der deutsche Trailer a) extrem dramatisch gemacht wurde und b) schon einiges andeutet, was ich mir tapfer verkniffen habe. Was soll’s! Empfehle heimlich ja den englischen Trailer 😉

P.S. Goodie der DVD: der Kurzfilm „Wasp“, den ich vor langer langer Zeit mal zufällig sah und der mich wirklich umgehauen hat. Also seid anständig, lasst das Internet in Ruhe und KAUFT die DVD. Danke.

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2 Gedanken zu “[Fazit] Fish Tank

  1. Ich liebe (und hasse) Fishtank. Der ist so wunderbar super gemacht, ich hab selten so gut mitgefühlt und es tat alles richtig weh. Ja, hah, Indie-Filme *-*

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