[Fazit] Eine dunkle Begierde

Da ist es wieder – das wilde Fan-Girl, das bei „Eine dunkle Begierde“ gleich zweimal getroffen wurde. Nein, nicht von einem Pfeil im Knie (ja, ihr und eure SKYRIM-Witze), sondern von zwei Themen, die einen wichtigen Stellenwert im Leben des Fangirls haben: Zum einem wäre das Michael Fassbender, zum anderem Sigmund Freud.
Nach drei Jahren Psychologie kommt man mit einigen Theorien in Berührung, doch lediglich die Psychoanalyse samt ihres Vertreters Sigmund Freud war von Anfang an für mich fesselnd und hat mich auch in der Gegenwart noch nicht losgelassen. Nachdem ich schon zu Weihnachten vor drei Jahren keine Freud-Actionfigur geschenkt bekam, stürzte ich mich auf den Hollywood-Film von David Cronenberg. Dass Fassbender mitspielt war ein interessantes Schmankerl, aber ich hätte mir den Film wohl auch ohne ihn angesehen … was mir an dieser Stelle sicherlich niemand glaubt. Aber fahren wir fort: Worum geht es in „Eine dunkle Begierde“ und sollte man dafür wirklich Geld bezahlen oder doch lieber zu einem Buch von Freud greifen?

Wie das Kinoposter von „Eine dunkle Begierde“ bereits verrät, bildet eine Dreiecksbeziehung den Mittelpunkt des Dramas. Wir lernen Carl Gustav Jung (Michael Fassbender) kennen, der eine psychiatrische Klinik leitet und die Begierden des Menschen erforscht. Bei seiner Arbeit lernt er die junge Russin Sabina Spielrein (Keira Knightley) kennen, die sich trotz ihrer Intelligenz und ihrer Scharfsinns in Therapie von Jung begeben muss; Spielrein leidet unter hysterischen Anfällen, die durch die körperliche Züchtigung des Vaters entstanden sind. Jung entscheidet sich dazu, seiner schönen Patientin mit Hilfe der Psychoanalyse nach Sigmund Freud (Viggo Mortensen) zu kurieren – und lernt dabei seine eigenen dunklen Begierden und Instinkte kennen, die er als braver Familienvater einer tristen Ehe längst unterdrückt hatte. Doch die Affäre mit seiner Patientin bleibt nicht lange unerkannt und bedroht nicht nur Jungs Ehe, sondern auch dessen Ruf als Psychiater.
Als Jung sich daraufhin von der – mittlerweile geheilten – Sabina Spielrein abwendet, strebt diese an, ebenfalls Psychoanalytikerin zu werden und wünscht sich niemand anderen als Sigmund Freud als Lehrer und Mentor. Die Dreiecksbeziehung wird nun kniffliger, spannender und gefährlicher. Vor allem Jung und Freud scheinen die Tage, in denen sie Freunde und geschätzte Kollegen waren, nach und nach zu begraben und sich als Feinde zu betrachten …

Um eine detaillierte Kritik über den Film abzugeben, der bereits seit dem 10.11.2011 in den deutschen Kinos läuft, liegt mein Besuch leider schon zu lange zurück. Es ist zwar ,nur‘ ein Monat, aber dank der Reizüberflutung, der ich mich tagtäglich hingebe, vergesse ich das ein oder andere Detail, das ich sonst gerne in meinen Kritiken erwähne.
Wenn ich jedoch an „Eine dunkle Begierde“ zurückdenke, fallen mir vor allem die wunderschönen und gut inszenierten Bilder ein. Kostüme, Kameraeinstellungen und dergleichen. Optisch hat mich der Film ganz und gar begeistert und auch schauspielerisch gibt es nichts zu meckern, obwohl ich eine der größten Kritikerinnen von Keira Knightley bin. Aber gut: wie soll ein Film mit Mortensen und Fassbender auch schief gehen? Die beiden verstehen ihr Werk und hauchen ihren Charakteren, zusammen mit Knightley, überzeugend und realistisch Leben ein.
Und obwohl ich den Film sehr gelobt habe und es auch nach wie vor tue – immerhin bin ich Freudianerin und mag „Eine dunkle Begierde“ alleine deswegen – würde ich ihn nicht der großen Masse empfehlen. Denn es ist nun einmal so: es ist ein Film über die Psychoanalytik und handelt von den Leben drei real existierender Charaktere, die dieses Feld maßgeblich geprägt haben. Große Tragödien, Schicksalsschläge und (pardon) Action kann man in diesem Film nicht erwarten. Muss man auch nicht. Dennoch kann er sich für Zuschauer, die kein Interesse an Psychologie und menschlichen Dramen haben, zu einem langatmigen Film entwickeln, bei dem man das Gefühl hat, dass er ganz plötzlich endet. Schnapp! Einfach so. Zumindest war ich leicht irritiert, als plötzlich alles dunkel wurde und keine weitere Szene folgte.

Wie gesagt: „Eine dunkle Begierde“ ist für all jene, die interessante Filme lieben und sich danach zu Diskussionen über die Psychoanalyse anregen lassen wollen. Aber für niemanden, der die große Unterhaltung sucht. (Mir fällt gerade auf, dass ich mich nicht an einen Soundtrack des Films erinnern kann – was leider ein Manko darstellt, auch wenn ich mich nach Fertigstellung des Textes sofort darüber informieren werde. Aber aus dem Stegreif kann ich mich leider an keine musikalische Untermalung erinnern.) Ein Film, bei dem sich die Gemüter spalten. Entweder findet man ihn langweilig oder höchst interessant, wobei diese Entscheidung ausschließlich die Thematik von „Eine dunkle Begierde“ betrifft und man für sich selbst entscheiden muss, ob man sich damit anfreunden wird oder eher nicht. (Meine Mutter hätte ich mit diesem Film verjagt, ein Teil meiner alte Psychologie-Klasse wäre wohl sehr zufrieden gewesen.)

Persönlich schade empfand ich den Hinweis auf Jungs Interesse für paranormale Aktivitäten (um es so auszudrücken) und die knappe Darlegung dieser. Es wird zwar zu Beginn häufiger davon gesprochen, dass bestimmte Vorkommnisse keine Zufälle sein können, doch abgesehen von seiner ,Vorhersage‘ der klopfenden Heizung war es das. Da ich mit Jung nie in Kontakt gekommen und davon folglich nichts davon wusste, war ich Feuer und Flamme, als man mir in „Eine dunkle Begierde“ ein Scheibchen zuwarf – und umso frustrierter, als dieses Thema so schnell wieder verworfen wurde, wie Jung es angesprochen hatte. Schade eigentlich! Da müssen dann doch wieder Bücher und das Selbststudium herhalten.

Wirklich knifflig, diesen Film zu bewerten. Man will es sich ja auch nicht mit dem zukünftigen Ehemann verderben, wenngleich ich Michael Fassbender nicht groß kritisieren kann – trotzdem! In ein, zwei Jahren sehe ich „Eine dunkle Begierde“ bereits in Klassenzimmern präsentiert und junge Schüler mit der Psychoanalyse infizieren (was mich äußert zufrieden stimmt). Und die ein oder andere Oscar-Nominierung ist zu 100% sicher, hoffentlich auch für Michael Fassbender. Verdient hätte er es.

6,5 von 10 Schlägen mit dem Gürtel

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2 Gedanken zu “[Fazit] Eine dunkle Begierde

  1. Ich fand den Film überhaupt nicht langweilig, ganz das Gegenteil eigentlich! Abgesehen von den (sehr) guten Schauspielern, die Geschichte ist einfach sehr spannend, ein bißchen Liebesdrama um die intellektuelle Spielerei zu balanzieren… Und hat mich auch bzgl. Psychiatrie sehr neugierig gemacht, vor allem über Jung. Cronenberg enttäuscht nie. Meiner Meinung nach, hat der Film locker ein 7,5 verdient!

  2. Klingt nach einem sehr guten Film, bei dem ich mutterseelenalleine auf der Couch sitzen werde, weil ihn niemand mit mir ansehen mag.
    Danke für die Vorstellung. Der kommt sofort auf meine Videobuster-Wunschliste!

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