14 Tote während „The Dark Knight Rises“-Premiere: Wenn Filme töten.

Die aktuelle Bilanz ist tragisch: 14 Tote und rund 50 Verletzte, die eine Schießerei letzte Nacht in Denver hervorgebracht hat. Doch es war keine übliche Schießerei, wie man es bei diesen Fakten im ersten Moment vermuten möchte. Für diese Menschen wurde ein Kino zur Todesfalle, als um Mitternacht die Premiere von „Batman – The Dark Knight Rises“ stattfand. Liest man sich weiter durch die Schlagzeilen, ist ein bitterer Nachgeschmack kaum zu vermeiden. Denn, laut Augenzeugen, sollen die Täter – bisher ist nicht bekannt, wie viele es insgesamt waren, da erst ein Verdächtiger festgenommen wurde – mit Gasmasken und schusssicherer Weste in dem Kino aufgetaucht sein. Durch die Notausgänge sind sie während des Filmes in den Kinosaal eingedrungen und haben dort das Feuer eröffnet. Bizarr und erschreckend, wenn sich Leinwandgeschehen plötzlich in der Wirklichkeit wiederfindet – und man mitten drin ist.

Bei der „Verkleidung“ der Täter und der Ortswahl der Schießerei scheint es sich um keinen Zufall zu handeln. Die Presse mutmaßt, dass die Kleidung der Schützen an das Outfit von Bane – Batmans Widersacher in der jüngsten und letzten Verfilmung – angelehnt sei. (Da berichtet wurde, dass, bevor die tödlichen Schüsse fielen, auch Rauch- und Tränenbomben gezündet wurden, ist die Wahl einer Gasmaske an dieser Stelle jedoch nicht verwunderlich. Trotzdem muss ich mich – auch ohne Bilder der Täter – der Meinung der Masse anschließen, dass man wohl eine Ähnlichkeit zu Bane suggerieren wollte. Auch wenn dieser, wie man auf dem Bild deutlich erkennen kann, keine Gasmaske trägt.) Gestörte Mörder, die sich offensichtlich in der Vorstellung verlieren, dem Schurken Bane ähnlich zu sein, der es in den Comics kurzzeitig schafft, den gefeierten Helden Batman zu besiegen und ihm ebenbürtig ist.

Ich schreibe diesen Eintrag nicht nur, weil ich, seit ich ein Kind war, großer Fan von „Batman“ war und mich auch auf „The Dark Knight Rises“ freue, sondern weil das Lesen dieser Meldungen ein Deja-Vu ausgelöst hat: Kaum hatte ich die Schlagzeile verdaut, dachte ich unweigerlich an das Columbine-Attentat aus dem Jahre 1999 und der anschließenden Hetze gegen den Film „Matrix“ (und Marilyn Manson, der sich verständlicherweise erschüttert über derartige Vorwürfe zeigte). Als Cineastin stehe ich solchen Vorfällen immer mit gemischten Gefühlen gegenüber. Die Meinung, dass aufgrund derartiger Filme und Musik, wahnsinnige Mörder hervorgehen, kann ich nicht teilen. Warum? Nun, ich habe als kleines Mädchen die „Batman“-Serie gesehen und geliebt, ebenso wie ich als Jugendliche vernarrt in „Matrix“ war, Marilyn Manson hörte, bis die Boxen qualmten und sogar seine Biographie gelesen habe – und mir geht es sehr gut. Von Medien habe ich mich nie negativ beeinflusst gefühlt. Ich denke, diese Meinung teilen auch einige Videospieler, die nach Amokläufen von der Presse gerne als potenzielle Killer gehandhabt werden. Dass ein Mensch eine Waffe nimmt, den Entschluss fällt, einen Mord zu begehen und skrupellos Unschuldige tötet – das hat meiner Meinung nach wenig mit muskulösen Bösewichten wie Bane oder schwarzen Trenchcoats in „Matrix“ zu tun.
Dabei schwebt mir immer ein Zitat aus einem Buch vor, das ich vor rund acht Jahren las:

Matrix ist keineswegs der erste Film, dem vorgeworfen wurde, zu schwerer Körperverletzung anzustiften. 1989 nannte ein Kolumnist des Courier Journal von Louisville die Zahl von 35 Russischem-Roulette-Todesfällen, die direkt auf den Oscar-gekrönten Film Die durch die Hölle gehen zurückgingen. (…) Kevin Williamson, Schöpfer der Scream-Filme, sagte in einem Interview: »Mein Lieblingsdialog in dem Film ist folgender: Sydney sagt zum Killer: ,Ihr seid krank, ihr habt zu viele Filme gesehen.‘ Und der Killer erwidert: ,Nein, Sid, schieb es nicht auf die Filme. Niemand wird durch sie wahnsinnig, aber Wahnsinnige werden durch sie kreativer.‘ Das fasst es in kurzen Worten zusammen.« “ (Anderson 2003: S. 208).

Sprich: Menschen, die den Drang zum Töten in sich haben, werden es früher oder später sowieso tun. Filme und andere Medien sollten an dieser Stelle nicht zur Quelle allen Übels gemacht werden. Grausame Morde gab es in der Vergangenheit auch ohne das Kino im Nacken. Vor allem Amerika sollte sich viel mehr auf andere Punkte – wie beispielsweise die leichte Zugänglichkeit zu Schusswaffen – stürzen und nicht mit dem Finger auf Leinwände deuten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis entsetzte und empörte Artikel sowohl im World Wide Web, als auch in der Presse auftauchen werden, um Nolans „The Dark Knight Rises“ – das Ende seiner Batman-Trilogie – als Auslöser für die grausame Tat nennen werden. Eine tragische Promotion für den Dunklen Ritter, der am 26. Juli auch in die deutschen Kinos kommt.

Wie seht ihr das? Seid ihr der Meinung, dass ein Film – sei es aufgrund seiner Thematik oder seiner Darstellung von Gewalt – dazu führen kann, einen Menschen zum Mörder zu machen?

Quelle:
Anderson, Kevin J..: Matrix war Schuld. In: Haber, Karen (Hrsg.): Das Geheimnis der Matrix, Heyne 2003, S. 201 – 213.

Advertisements

3 Gedanken zu “14 Tote während „The Dark Knight Rises“-Premiere: Wenn Filme töten.

  1. Um direkt auf die Frage zu antworten: nein.
    In manchen Fällen mögen sie vielleicht eine Rolle spielen – wie das hier ist, wer weiß; ich hab’s vor fünf Minuten erst im Radio gehört und das hier ist der erste Artikel dazu, den ich lese -, aber die Medien als Alleinursache? Das ist ’ne faule Ausrede, um sich nicht weiter damit beschäftigen zu müssen.

    1. Ciao Daniele… beh ovvio certe persone non si dimenticano mai!!Il viaggio procede bene anche se il freddo non è sempre amico mentre si ped&ala#8230;Un abbraccio anche a te e un saluto a tutti lì a casa

  2. Auf keinen Fall. Ich denke eher, Filme & Co. können bei manchen Leuen nur der bekannte „Tropfen“ sein, der das Faß zum überlaufen gebracht hat (und bei Wahnsinnigen eben die letzten nötigen verückten Ideen hervorrufen). Entscheidend sind allein Faktoren wie Erziehung und soziales Umfeld…. wenn da alles stimmt, weiß man auch wie man mit Medien umgehen muss.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s